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Predigt über Jesaja 54, 7 - 10, Lätare 2008, Seiffen
7. Ich habe dich einen kleinen Augenblick verlassen, aber mit großer Barmherzigkeit will ich dich sammeln. 8 Ich habe mein Angesicht im Augenblick des Zorns ein wenig vor dir verborgen, aber mit ewiger Gnade will ich mich deiner erbarmen, spricht der HERR, dein Erlöser. 9. Ich halte es wie zur Zeit Noahs, als ich schwor, dass die Wasser Noahs nicht mehr über die Erde gehen sollten. So habe ich geschworen, dass ich nicht mehr über dich zürnen und dich nicht mehr schelten will. 10.Denn es sollen wohl Berge weichen und Hügel hinfallen, aber meine Gnade soll nicht von dir weichen, und der Bund meines Friedens soll nicht hinfallen, spricht der HERR, dein Erbarmer.
Liebe Gemeinde, gestern abend konnten wirs wieder erleben: Unsere kleine Eleonore sollte ins Bett und endlich schlafen, aber da kam ein lautes, herzzerreißendes Geschrei aus ihrem Zimmer. Als es immer lauter wurde und schließlich mit schlimmem Husten verbunden war, da schaute ich zu ihr hinein und legte sie wieder in ihr Bett. Es war aus meiner Sicht nichts ungewöhnliches mit ihr, außer daß es dunkel war und draußen der Sturm heulte. Ich legte mich einen Moment neben ihr Bett steckte meine Hand durch das Gitter und summte ein Abendlied und sagte immer wieder: Ich bin doch da! Zufrieden sagte sie: Papa! Sie wußte: Der Papa ist nicht weit weg, er hört mich, auch wenn ich jetzt in der Dunkelheit allein bleiben soll und schlafen muß. Und als ich wieder aufstand und hinausgehen wollte, da blieb sie still und schlief dann bald ein.
Geht es uns Großen mit Gott, unserem himmlischen Vater, auch manchmal so wie der kleinen Eleonore? Wir fühlen uns von Dunkel umgeben und hören den Sturm um uns brausen und kommen uns ganz verlassen vor. Viele Namen haben diese beängstigenden Stürme und Dunkelheiten, Da ist z.B. Krankheit und Tod von lieben, uns nahestehenden Menschen! Da müssen wir selber schwere Krankheiten durchmachen. Da ist die Ungewißheit in meiner Firma, meinem Geschäft! Da leiden wir unter der Verfahren-heit der Politik und des Finanzwesens. Und da ist die bittere Enttäuschung über Menschen, denen wir vertraut haben! Da zerbröckeln unsere schönsten Lebensträum Stück für Stück. Ja, da ist auch die Sorge darum, wie es mit unserer Welt überhaupt weitergeht. - Nur Dunkel und das Heulen des Sturms um uns! Angst, ja Verzweiflung steigt in uns auf! Gott, du Vater im Himmel, wo bist du nur, warum läßt du uns so allein? Denkst du nicht mehr an uns, sind wir bei dir vergessen? Laut oder auch ganz leise, unter Tränen, sprechen wir es aus. Oft können wir darüber überhaupt keine Ruhe finden, ja, wir steigern uns immer mehr in unsere Angst hinein, sie nimmt uns immer mehr den Atem!
Ähnlich mag es den Leuten gegangen sein, denen das eben gehörte Wort aus dem Buch des Propheten Jesaja zuerst galt: Mit ziemlicher Sicherheit gehörten sie zu denen aus dem Volk Israel, die damals nach der Zerstörung Jerusalems im Jahre 587 v.Chr. nach Babylonien verschleppt wurden. Nicht nur die Heimat war ihnen verloren gegangen, sondern noch viel mehr war ihr Glaube, ihr Vertrauen auf Gott schwer angefochten. Eine Zeit des Dunkels, der bedrohlich heulenden Stürme mußten sie durchmachen. Sie fühlten sich völlig allein und verlassen. Gott ist doch weit weg, er ist irgendwo, und wir sind hier allein! Ja, die Götter der Babylonier scheinen stärker zu sein als er. Haben sie vielleicht doch die Macht über uns?
Diesen so verängstigten und verzweifelten Menschen schickt Gott einen uns namentlich unbekannten Propheten, dessen Worte wir in den Kapiteln 40 - 55 des Jesaja-Buches aufgezeichnet finden. "Tröstet, tröstet mein Volk", so hören wir ihn sagen. Und: "Fürchte dich nicht, ich habe dich erlöst, ich habe dich bei deinem Namen gerufen, du bist mein." Und heute nun die eben gehörten Worte, jedes von ihnen ein schon für sich allein gültiges Wort des Trostes. Gehen wir ihnen Stück für Stück nach: '"Ich habe dich einen kleinen Augenblick verlassen, aber mit großer Barmherzigkeit will ich dich sammeln. Ich habe mein Angesicht im Augenblick des Zorns ein wenig vor dir verborgen, aber mit ewiger Gnade will ich mich deiner erbarmen, spricht der HERR, dein Erlöser". Ich sag´s für uns noch einmal aus dem Erleben unserer kleinen Tochter: Wenn ihr die Eltern sagen: Einen kleinen Augenblick bin ich weg, ich komme gleich wieder, dann läßt sie das neu vertrauen. Für sie mag dieser Augenblick eine halbe Ewigkeit dauern, für uns als große ist es wirklich nur ein Augenblick, wenige Minuten. Für sie ist es Zeit, die sie allein im Dunkel sein muß. Doch sie weiß: Die Eltern sind nicht weit weg. Papa ist im Nebenzimmer, er kann mich hören. Er weiß, wo ich bin und wo es mir geht. Ganz genauso sagt es Gott. Ein kleiner Moment ist es nur gewesen, daß ich weg war, einen Augenblick lang hast du mich nicht gesehen. Aber ich bin doch da, nicht nur jetzt, sondern für immer und ewig. Und dann kommen zwei wunderbare Zusagen, die zeigen, wie verlässlich Gott ist: Ich halte es wie zur Zeit Noahs, als ich schwor, dass die Wasser Noahs nicht mehr über die Erde gehen sollten. So habe ich geschworen, dass ich nicht mehr über dich zürnen und dich nicht mehr schelten will. Ich hoffe, wir habens alle noch im Ohr, dieses Versprechen, das Gott einst Noah gegeben hat: Ich will hinfort nicht mehr die Erde verfluchen um der Menschen willen. Solange die Erde steht, soll nicht aufhören Saat und Ernte, Frost und Hitze, Sommer und Winter, Tag und Nacht. Und zu diesem Versprechen hat Gott noch das wunderbare Zeichen des Regenbogens gestellt, der in seiner herrlichen Farbenpracht an den Schöpfer und Erhalten unserer Welt erinnert. Ich denke, gerade an solchen Tagen wie gestern, wenn Stürme und wilder Wetter über uns hinziehen, da ist die Erinnerung an dieses Versprechen Gottes da. Da bleibt die Hoffnung, wie es im Erzgebirgslied einmal so schön heißt, "nooch dan Gestöber de Sonn wieder kimmt." Und in den Jahrtausenden seit der Sintflut, hat sich das ja immer wieder bewahrheitet, oder sagen wirs von unserem Glauben her: Da hat Gott immer wieder zu seinem Wort gestanden und dieser Welt und uns Menschen seine Treue gehalten. Soll te er es ausgerechnet heute nicht mehr tun? Nein, wir dürfens heute ganz persönlich hören: Gottes Wort gilt und bleibt - auch heute und morgen! Ganz ähnlich hören wirs aus der anderen Zusage, die Gott macht und die ich so gern auch als Sendungswort zum Abendmahl verwende: Denn es sollen wohl Berge weichen und Hügel hinfallen, aber meine Gnade soll nicht von dir weichen, und der Bund meines Friedens soll nicht hinfallen, spricht der HERR, dein Erbarmer Inmitten der Berge und Hügel unserer Heimat, zwischen Uurschberg, Reicheltberg und Schwartenberg haben die meisten unter uns ihr Leben verbracht. Und wenn wir weiter schauen, dann wissen wir, daß auf böhmischer Seite der Eduardstein und weiter westlich von uns eben der Fichtelberg und der Keilberg, der Pöhlberg und der Scheibenberg und der Bärenstein und der Hirtstein stehen. Daß unsere lieben Berge da sind, daß sie uns umgeben, uns Geborgenheit geben, das ist uns Erzgebirgern etwas selbstverständliches. Wir wissen: Unsere Berge - sie standen weit vor uns da und sie werden uns überdauern. In unserem Leben mag es noch so viel an Turbulenzen, an auf und ab geben, aber unsere Berge stehen. Sie sind ganz feste Größen, sind Orientierungspunkte, an denen Gott sei Dank niemand rütteln kann. Ganz ähnlich wissen es die Leute damals, denen der Prophet das Wort Gottes auszurichten hat. Und doch zeigt ihm Gott: Es gibt noch etwas viel festeres, etwas noch viel beständigeres als die Berge, etwas noch viel verläßlicheres, das bin ich, euer lebendiger Gott, in meiner liebevollen, gnädigen Zuwendung zu euch Menschen. Selbst wenn die Berge weichen würden und die Hügel umfie-len, Gott ist uns immer noch in gleicher Weise zugewandt. Was er versprochen hat, das gilt - noch fester als die Berge stehen! Es gibt in unserem Leben so vieles, was wegbrechen und umfallen kann. Wie gesagt: Unsere Gesundheit ist plötzlich angeschlagen, liebe Menschen werden uns genommen, Staaten und Gesellschaftsordnungen verändern sich. Es gibt kaum etwas, worauf man sich in dieser Welt im Letzten verlassen kann. Anders ist es mit dieser Gnade und Güte Gottes - sie ist da, mehr als felsenfest. Deshalb sollen und dürfen wir in den schönen Tälern, aber auch in den gefährlichen Schluchten unseres Lebens, bei den beschwerlichen Aufstiegen, aber auch bei den unvergeßlichen Gipfelerlebnissen, die uns geschenkt sind, immer wieder an unseren himmlischen Vater halten. Was uns auch immer an Angst und Freude bewegt, mit Paulus dürfen wir sagen: "Wer will uns scheiden von der Liebe Gottes, die in Christus Jesus ist." - Wer das begriffen hat, der kann in solcher Geborgenheit wie die kleine Eleonore einschlagen und aufstehen, der weiß noch viele hunderttausend Mal mehr und noch i n einer ganz anderen Art als sie: Ich bin doch nicht allein! Mein himmlischer Vater ist bei mir. Und wer das weiß, der kann fröhlich singen: "Unter deinen Schirmen, bin ich vor den Stürmen aller Feinde frei!" und "Weicht, ihr Berge, fallt, ihr Hügel, Gottes Gnade weicht mir nicht,und der Friede hat dies Siegel, daß Gott seinen Bund nicht bricht."
Amen. |
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